Wir stehen in der Minenstadt Kalgoorie auf einem Campground und haben die lange Fahrt über die Great Central Road ganz gut überstanden. Bis auf einen Wassereinbruch mittschiffs bei der vorderen Dachhaube. Das Gerüttel fordert seinen Tribut. Das ist natürlich schlecht, denn es regnet. Aber von Anfang an…
Nach 4 Nächten verlassen wir Yulara (beim Ayers Rock) und begeben uns auf die mit Fragezeichen behafteten 1.100 km der Great Central Road (GCR) bis Laverton. Kurz bevor wir losfahren, kommen die Galas noch einmal vorbei und fressen aufdringlich und rigoros meine ganzen Nussvorräte auf.


Für die Fahrt auf der GCR, die über Gebiet der Aborigines führt, braucht man zwei Durchfahrtsgenehmigungen. Die Strasse überquert relativ bald die Grenze nach Western Australia und dort gibt es eine andere Verwaltung der Aborigines. Für die 870 km Fahrt in Western Australia bekommt man nur drei Tage bzw. zwei Übernachtungen Zeit. Wir machen drei Übernachtungen daraus, kontrolliert wird das eh nicht.
Auffällig ist, dass es keine keine toten Tiere am Straßenrand gibt, aber sehr viele „tote“ Autos. Generell gibt es wenige bis keine Tiere, auch wenn wir an den Übernachtungsplätzen immer wieder mal Spuren sehen, z.B. von Kamelen.
Die wenig befahrene Strecke führt nicht, wie erwartet, durch eine Wüste, sondern ist immer mehr oder weniger dicht bewachsen. Roter Sand, Spinifex Gras, Büsche und oft auch kleine Bäume


Wir passieren die Lasseters Cave. In dieser Höhle lebte und verhungerte der namensgebende Goldprospektor (1931!), der überzeugt war, auf einer früheren Reise hier irgendwo eine Goldader gesehen zu haben und diese bis zu seinem Ende verbissen suchte. Bis heute wird von unverbesserlichen Glücksrittern nach diesem legendären Schatz gesucht.



Unser erster Übernachtungplatz, ein weitläufiges Buschcamp, teilen wir uns mit drei anderen Fahrzeugen. Wir machen ein Feuer und grillen. OK, die Folienkartoffeln und die gegrillten Würste sind mangels Übung am Ende ziemlich schwarz, aber so ist das Outdoorleben. 🙂



Als wir am Morgen weiterfahren regnet es leicht. Gottseidank ist der Regen bald vorbei, denn an der vorderen Dachhaube kommt Wasser rein, und zwar nicht zu knapp.
Einige der permanenten Wasserlöcher entlang der Strecke, die für die Ureinwohner sehr wichtig waren, haben wir uns angesehen.


Es gibt auf der Strecke zwar einige offizielle Campingplätze, aber diese liegen bei den Roadhouses und nachdem wir das erste, das Warburton Roadhouse, gesehen haben, wollen wir da nicht übernachten. Die Zapfsäulen und das Gelände nebst Campground sind gesichert wie Fort Knox. In den angegliederten kleinen Siedlungen ist die Kriminalität extrem hoch. Da der Verkauf von Alkohol hier sehr stark reglementiert ist, hat Benzinschnüffeln den Alkoholkonsum als Rauschquelle abgelöst. Wenn man auf die Toilette muss, braucht man zwei Codes. Einen durch den hohen Zaun (mit Stacheldraht obendrauf) und einen um in die Toilette zu gelangen. Im Roadhouseladen gibt es haufenweise Känguru-Schwänze in der Kühltruhe. Vermutlich sieht man deswegen so wenig Tiere. Alle gegessen. Das alles ist irgendwie traurig und gruselig.


Mehrere Stellen mit Felsformationen und natürlichen Höhlen laden zum Rumstromern ein. Wieder finden wir einen großzügigen Übernachtungsplatz und machen abends ein Feuerchen.





Eine der steinernen Sehenswürdigkeiten, der Zoo, bietet abhängig von der Phantasie des Betrachters neben offensichtlichen Elefanten noch allerlei anderes Getier.



Das sehr einfache White Cross ist 1991 errichtet worden und erinnert an die Opfer und Entbehrungen der Christen unter den Aborigines. Ein ebenfalls sehr einfaches Steinmännchen am Ort inspiriert mich und ich baue auf die Schnelle ein etwas ansprechenderes Modell daneben.

Wieder finden wir einen guten Platz zum Übernachten, nur die Fliegen sind ziemlich lästig.

Am nächsten Tag gibt es nochmal einen besonders üblen Straßen-Abschnitt. Die dortige Gemeinde der Aborigines liegt mit der staatlichen Verwaltung im Clinch, deswegen wird der Abschnitt nicht mehr gewartet. Und die Reisenden müssen es ausbaden.

Wir besuchen auch noch eine der vielen Salzpfannen in der Gegend bevor wir letztendlich den kleinen Ort Laverton erreichen und damit das Gebiet der Goldminen. Ab hier beginnt wieder die „Zivilisation“ und damit geteerte Straßen.



120 km weiter, bei Leonora, gibt es eine kleine Geisterstadt, ein Bergbau-Museum und die Gwalia (lateinisch für „Wales“) Goldmine. Die ausgestellten historischen Gerätschaften, die Geschichte des hiesigen Goldrausches und der Blick in das wenige 100m tiefe Loch des sichtbaren Teils der Mine sind ganz großes Kino. Die Gwalia Goldmine ist eine Mine der Superlative. Mit 1.600m Tiefe in 2019 (und prognostizierten 2.300m in 2031) ist sie die tiefste Untergrundmine Australiens und die tiefste Mine weltweit, in der das Gestein durch LKWs (!) zur Oberfläche transportiert wird. Die Mine hat von 1898 bis 2019 etwa 170t Gold mit einem heutigen Marktwert von etwa 20 Mrd. $ produziert. Vor kurzem kostete die Produktion einer Unze Gold (etwa 5g/Tonne Gestein) etwa 2.500 AU$, der Ertrag lag 2023 bei vergleichsweise schwachen 140.000 Unzen bzw. 500 Mio US$ / Jahr.






Auf der Weiterfahrt fliegt mir von einem entgegenkommenden Road Train ein Stein in die Scheibe und gleich beginnt sich ein Riss zu bilden. Super! Das hat mir gerade noch gefehlt.
230 km weiter südlich, in Kalgoorlie-Bolder, einer ebenfalls durch Goldminen geprägten Stadt mit etwa 30.000 Einwohnern, besuchen wir das Super-Pit, eine der größten Tagebau-Goldminen Australiens. In dem riesigen Loch in der Erde sehen die Muldenkipper winzig aus. Aus der Nähe sind die Caterpiller Lastwagen überaus beeindruckend. 170 Tonnen Leergewicht, 240 Tonnen Ladung, 2.300PS, 5,5 Mio AU$ pro Stück. Für den Preis der 6 etwa 4m hohen Reifen bekommt man in den meisten Gegenden ein Einfamilienhaus.





Orte wie Kalgoorlie oder Coolgardie (hier lassen wir die Risse im Dach notdürftig abdichten) mit Goldrausch-Geschichte haben oft noch ein sehr hübsches, historisches Zentrum aus der Zeit, in der dort viel Geld im Umlauf war. Dies spiegelt sich dann auch in den teilweise überraschend prunkvollen Gebäuden wider.


Während eines Regengusses in der Nacht stellen wir fest, dass das Dach wieder undicht ist. Dazu kommt eine kleine Undichtigkeit in unserem Wassersystem, das sich darin äußert, dass die Wasserpumpe immer wieder kurz anspringt.
Mit dem waidwunden Explorer schleppen wir uns durch die Woodlands nochmal 600 km nach Westen nach Freemantle/Perth, dem vorläufigen Endpunkt unserer Reise.




Während der Tage, die wir noch hier sind, organisieren wir alle fälligen Arbeiten sowie die Unterbringung des Wohnmobils während unserer Abwesenheit. Schließlich muss der Camper zum normalen Service, zum Scheibenwechsel, zur Reparatur von Dach und Wasserleitung und muss auch irgendwo sicher abgestellt werden.

Wir verbringen noch einige schöne Tage in Freemantle auf dem Campingplatz und nach Abgabe unseres Fahrzeugs im Hotel in Perth.






Allein die Besuche des Schifffahrtsmuseums, der Banksy- und der China Warrior-Ausstellung böten lohnenden Stoff für jeweils eigene Berichte. Aber wo fängt man an und wo hört man (besser) auf?



Nach knapp 4 Monaten, 12.000 gefahrenen km und vielen neuen Eindrücken fliegen wir am 24. August erst mal nach Hause.
