Die Nullarbor (lateinisch für „Kein Baum“), 1.200km lang, hält mehrere Superlative bereit:
– Längste durchgängige Steilküste weltweit
– Längste Kalkstein Karstebene
– Längstes gerades Straßenstück in Australien ( ~ 146 km !)
– Am schlechtesten bewertete Roadhouses



Die Nullarbor ist, anders als der Name suggeriert, nicht wirklich baumlos. Allerdings gibt es keine Wälder mehr, sondern wechselhaften, etwas spärlicheren Bewuchs, oft auch mit kleineren Bäumen.
Es gibt auch keine richtigen Orte, nur ein paar Roadhouses. In einem Roadhouse war ich auf der Toilette. Dort stand: „Wenn sie etwas sehen, um das wir uns kümmern sollten, bitte sofort melden“. Es ist offensichtlich, dass der entsprechende Zeitpunkt schon vor einigen Jahren verpasst wurde.
Am ersten Tag unserer Durchquerung ist es 36 Grad heiß und wolkenlos, am zweiten Tag nur noch 22 Grad, bei zeitweise leichtem Regen und es ist windig.
Der Verkehr besteht zum großen Teil aus Road Trains. Bei der etwas eintönigen Fahrt drücken die vielen toten Kängurus am Straßenrand auf die Stimmung. Am zweite Tag überqueren wir nach etwa 1.000 km die Grenze nach Süd-Australien.
Wir übernachten einmal im Outback und einmal an der berühmten, malerischen Steilküste.






Aufgrund des Tipps eines Einheimischen fahren wir zur Cactus Bay, die von der hiesigen Surfszene schon vor vielen Jahren als „heiliger Ort“ definiert wurde (ich denke, hier wurde in einem Akt kultureller Aneignung ein Konzept der Aborigines einfach übernommen). Dort gibt es einen sehr einfachen, ikonischen Campingplatz, in dem die einzelnen Stellplätze weit verstreut liegen. Es wird ausdrücklich darum gebeten, diesen Platz nicht auf Social Media zu verbreiten. Wir sind die einzigen Nichtsurfer! Obwohl es wegen des kalten Windes nicht sehr gemütlich ist, essen wir draußen und feiern die erfolgreiche Durchquerung der Nullarbor mit einer Flasche Wein.






Gleich ums Eck liegt eine idyllische Bucht mit einem nicht mehr genutzten Steg (perfekt zum Angeln) den eine größere Gruppe von einheimischen Familien scheinbar irgendwie annektiert hat, um dort ihr traumhaftes, permanentes Wochenend-Paradies zu errichten.

Auf dem Rückweg von der Cactus Bay kommen wir an einem eigenwilligen Stillleben von drei Seen mit jeweils verschiedenen Farben vorbei.



In Penong sehen wir uns ein Museum an, wo auf einer Wiese im Ort (und teilweise in der Landschaft verstreut) viele alte (teils beeindruckend große) Windräder (windbetriebene Wasserpumpen) zusammen mit interessanten Informationen zu deren Historie ausgestellt sind.

Wir haben uns entschieden, anstatt sofort in Richtung Adelaide zu queren, erst mal die Eyre Peninsula hinunter zu fahren (gute Entscheidung!) und so zweigen wir in Ceduna auf die Küstenstrasse (B100) ab, um hinunter nach Port Lincoln zu tingeln.
Am Smooth Pool halten wir um in einer vom rauen Meer geschützten Umgebung zu schnorcheln.



Auch an den auf unserem Weg gelegenen Murphy’s Haystacks (Heuhaufen), einer Ansammlung von eigenwillig auf einer Wiese drapierten Granitsteinen, halten wir kurz für einen Rundgang bei jetzt plötzlich wieder hohen Temperaturen.



Wir übernachten in der Venus Bay, einer ansonsten nicht weiter interessanten Angler-Hochburg. Nette Beobachtung am Rande: ein Angler fängt einen Fisch, der untermaßig ist, den er also freilassen muss. Ein Pelikan hat dies sofort erkannt und verfolgt den Angler zu Fuß über den langen Steg (bis zur Messstelle und zurück), bis der Angler ihm den Fisch widerwillig überlässt.




Die Talia Caves: über eine Treppe geht es von der Steilküste hinab zu einem Felsen-Wunderland. Die im Zugriff von Ebbe und Flut liegenden, erodierten Granitplatten enthalten wasserführende Kanäle und eine Vielzahl von kleinen und größeren Pools, viele davon erstaunliche Aquarien.







Hier treffen wir auch einen Angler, der uns erzählt, dass er in einer riesigen, einsamen Bucht gleich nebenan australischen Lachs vom Ufer aus fängt. Er zeigt uns auch dicht am Ufer schwimmende Makrelenschwärme. Wegen des Fischreichtums gibt es hier auch Seelöwen und natürlich Haie!
Zum Schwimmen empfiehlt er uns deshalb eher die Bucht am Walkers Rock, ein Stück die Küste runter.
Auf dem Weg zum Walkers Rock kommen wir gottseidank noch an einer Bäckerei vorbei, um Brot zu kaufen.

Wir bleiben zwei Nächte auf dem sehr einsamen Walkers Rock Campground. Hier gibt es eine sehr flache Bucht (die „Angsthasenbucht“), in der man, vor Haien sicher, baden kann. Wir genießen das sehr, denn wir haben wieder mal 36 Grad. Nach der ersten Nacht, gibt es einen kleinen Schock, denn der Toyota springt nicht mehr an. Die Batterie gibt den Geist auf. Am zweiten Morgen starten wir den Toyota mit einem Kabel, das ich gebastelt habe, um mir selbst mit der Aufbaubatterie Starthilfe zu geben. Gottseidank klappt das, aber wir müssen deswegen jetzt direkt ohne Zwischenstopps 180 km bis nach Port Lincoln fahren, der ersten richtigen Stadt seit etwa 1.800 km, um zuerst mal eine neue Batterie zu kaufen.




Port Lincoln (etwa 26.000 Einwohner) war früher ein Zentrum der Fischerei mit großer Fischfangflotte. Die Zeiten sind vorbei, dennoch bezeichnet sich Port Lincoln auch heute noch als die Meeresfrüchte-Hauptstadt Australiens.
Wir quartieren uns gleich für eine ganze Woche auf einem Platz mit schöner Aussicht direkt am Meer ein, um hier gleich auch Weihnachten zu verbringen, denn es gefällt uns sehr gut hier. Es gibt außerdem in der Umgebung einiges zu entdecken.


Ich schätze um mich aufzuheitern, begrüßt mich Monika übrigens fast jeden Morgen mit einer neuen Frisur.

Bei unserem ersten Besuch im Zentrum fährt der Nikolaus, ständig hupend, auf einem originellen Gefährt im Viertel herum. Vermutlich hat er sehr schwere Geschenke auszuliefern.

Der erste Ausflug geht zum Waylers Way, einer sehr einsamen, unbefestigten Straße (auf Privatgrund) entlang der Steilküste, die durch kleine Buchten mit Sand unterbrochen ist. Es gibt diverse Aussichtspunkte, sowie Höhlen und natürliche Pools direkt am Meer. Einmal treffen wir unvermittelt auf zwei Kängurus, die genauso erstaunt sind wie wir. Einer dieser wunderbaren Tage.







Beim zweiten Ausflug erkunden wir die Halbinsel des Lincoln National Parks, ebenfalls ein Tipp von einem Einheimischen. Viele Stimmen äußern sich geradezu enthusiastisch über diese wilde und ursprüngliche Ecke, für uns ist der Park eher enttäuschend, denn die Landschaft ist unspektakulär. Es gibt Steilküste, immer wieder unterbrochen durch schöne Strände, beachtliche Sanddünen und kleine Campingplätze. Aber es gibt auch nervige Fliegen und lästige Bremsen. Immerhin sehen wir einige Emus.





Nach den Weihnachtsfeiertagen geht es weiter Richtung Adelaide.
Nach mehr als 17.000 gefahrenen KM wünschen wir (nochmal) allen Lesern „Frohe Weihnachten!“ 🙂



Georg deine Berichte sind genial, die Bilder sensationell und deine Kommentare zwischendrin super! 🤣Weiter so! 😃