Nach einer ruhigen Nacht erreichen wir am frühen Morgen völlig unvorbereitet (da wir ja nicht mit Tasmanien „gerechnet“ hatten) Devonport und marschieren zuerst in die Touristeninformation. Hier kristallisiert sich dann eine grobe Reiseroute für unsere zwei Wochen auf der Insel heraus. Wir haben auch schon eine Rückfahrt für den 31. Januar gebucht, weil ich dachte, dieser Zeitraum sollte für diese kleine Insel mehr als ausreichend sein. Schon im Reisebüro erkenne ich, dass ich mich wieder mal geirrt habe.

Tasmanien hat eine Fläche von etwa 68.000 qkm bei etwa 570.000 Einwohnern und ist damit etwas kleiner als Bayern (mit 13 Mio. Einwohnern!). Die Ausdehnung liegt in beiden Achsen bei etwa 300 km. Große Teile im Inneren der Insel gehören zum „UNESCO Weltnaturerbe Wildnis“, wobei hier 7 der diesbezüglichen 10 Kriterien der UNESCO erfüllt werden (üblich sind 1 oder 2, keine Gegend auf der Erde erfüllt mehr als 7 Kriterien). Die Niederschlagsmenge hier im Niedertemperatur-Regenwald liegt bei etwa 2.500 mm / Jahr (Füssen hat etwa 1.700 mm).
Wir beschließen „linksrum“ zu fahren und müssen ob der vielen interessanten Orte in Tasmanien Gas geben.
Auf dem Weg zur Westküste machen wir gleich nach Devonport an der „Pinguine Viewing Platform“ Halt. Die Pinguine, deren Höhlen wir hier sehen können, sind alle unterwegs, aber wir sehen zumindest einen Schnabeligel und ein kleines Wallaby/Quokka(?).


Im Fern Glade Platybus Reserve kurz vor Burnie wandern wir eine ganze Weile den schönen Weg am Fluss entlang und treffen dabei zum ersten Mal auf die spezielle Flora Tasmaniens, hier mit vielen Baumfarnen, ein Schnabeltier sehen wir dabei leider nicht.

In Stanley, ganz hübsch an einem markanten Felsen gelegen, machen wir eine Kaffeepause bevor es zum Arthur River an der Westküste weitergeht.


Die Küste auf der Westseite ist rauh, einsam und malerisch. Eine Tafel an einem Aussichtspunkt mit einem poetischen Gedicht von Brian Inder titelt treffend „The Edge of the World“.




„Am Rande der Welt“ von Brian Inder (Tourismus-Pionier in Tasmanien)
Ich warf meinen Kieselstein ans Ufer der Ewigkeit.
Um vom Ozean der Zeit umspült zu werden.
Er hat Form, Gestalt und Substanz.
Er bin ich.
Eines Tages werde ich nicht mehr sein.
Doch mein Kieselstein wird hier bleiben.
Am Ufer der Ewigkeit.
Stummer Zeuge für die Äonen.
Dass ich heute kam und stand
am Rande der Welt.

Wir fahren auf der sogenannten Tarkine Route in einer Schleife durch den Regenwald mit mehreren Stops für kleinere Wanderungen oder Ausblicke ins Landesinnere und wieder zur Nordküste hinauf.





Nächste Station soll der Cradle Mountain Nationalpark sein, eine der Wander-Hochburgen in Tasmanien. Da wir dort vor Ort sicher keinen Campingplatz kriegen werden, bleiben wir außerhalb des Parks auf dem Gemeinde-Campingplatz an einem kleinen See in Waratah, einem kleinen Ort mit Holzindustrie. Auch hier im See gibt es Schnabeltiere, aber wieder nicht für uns. Das Abendessen in der hiesigen Kneipe ist ein Erlebnis, weil heute eine Art Fleischkorb-Bingo ist und der Laden voll ist mit stark tätowierten Kerlen und ein wenig verschroben wirkenden Einheimischen (Holzfäller/Rocker/?)


Von der Cradle Mountains Talstation fährt man 20 Min. mit dem Bus hinauf ins Wandergebiet mit seinen vielen Seen. Neben kurzen bis langen Wanderungen gibt es auch Weitwanderwege, die mehrere Tage beanspruchen. Hier ist ein Touristik-Hotspot mit entsprechendem Andrang und so müssen wir drei Busse warten, bis wir mitkommen. Oben angekommen trennen sich unsere Wege. Monika läuft eine Runde über den anstrengenden Marions Lookout zum Crater Peak und wieder hinunter ins Tal. Ich nehme mir den Cradle Mountain selbst vor. Wir beide sind am Abend von der Anstrengung wirklich „durch“, fahren aber zum Übernachten trotzdem noch 50km aus dem Park hinaus, wieder nach Watarah. Rückblickend finde ich den Park landschaftlich nicht sooo spektakulär, jedoch hat er seinen ganz eigenen Reiz.










Auf dem Weiterweg nach Strahan an der Westküste unterbrechen wir (immer noch geschlaucht vom gestrigen Tag) die Fahrt für die 3 Std.-Wanderung durch einen herrlichen Wald zu dem Montezuma Falls. Fast die ganze Strecke legt man auf der alten Eisenbahntrasse zurück, denn früher wurde hier in mehreren Minen verschiedene Metalle wie Silber und Zinn abgebaut. Der Wasserfall ist mit über einhundert Metern Höhe sehr ansehnlich und ein lohnendes Ziel.





Strahan liegt etwa in der Mitte der Westküste an einer riesigen Lagune und ist hauptsächlich bekannt für eine 6-stündige Bootsfahrt. Wir buchen Tickets, neben der Neugier auch um einen entspannten Tag zu verbringen. Das Boot fährt zunächst hinaus zur Mündung der Lagune am Meer, dann durch die ganze Lagune und ein Stück den Gordon River hinauf, mit Besuch einer ehemals berüchtigten Gefängnisinsel. Die Schilderungen bei der Führung dort sind interessant und gruselig. Dann machen wir eine kleine Wanderung im Regenwald (die früher hier geschlagene Huon Pine, eine Kiefernart, war besonders für den Schiffsbau geeignet). Die Fahrt über insgesamt mehr als 100 km endet an einem historischen Sägewerk in Strahan.









Nächste Station ist der Mount Field Nationalpark, ein Wander- und im Winter auch Skigebiet. Die Fahrerei ist im Inneren der Insel generell durchaus anstrengend, denn es ist überraschend bergig und die Straßen sind schmal und kurvenreich. Gleich nach der Ankunft wandern wir gleich noch zu zwei Wasserfällen und einem Waldstück mit großen Bäumen.



Dann buchen wir uns (zufällig) auf dem Left of Field Campground am Eingang des Parks ein. Ein Glücksfall, denn abends an der Bar bei einem dunklen Riegele Weizen (aus Augsburg !) lädt uns der Betreiber ein, nachts mit hinauf in den Park zu fahren, denn heute Nacht soll es Polarlichter geben. Wir sind natürlich dabei und fahren bei Einbruch der Dämmerung 15km die schmale, kurvige Straße mit hoch zu einer Art Hochebene im Park, wo wir bei grimmiger Kälte ausharren, bis es wirklich dunkel wird. Wir haben außerdem Glück und die Wolkendecke verzieht sich komplett. Das Spektakel, das dann am Himmel einsetzt ist schwer zu beschreiben. Die für das Auge eher weißen, auf den Bildern mehrfarbigen Leuchtfahnen reichen über mindestens den halben Himmel. Dabei sieht es aus, als ob der Himmel brennt, denn die Fahnen flackern wie ein gigantisches Lagerfeuer.





Im Nachhinein erfahren wir, dass es sich um einen der größten Sonnenstürme der letzten 20 Jahren gehandelt hat, der auch in Deutschland weithin sichtbar war. Allein für solch ein Ereignis fliegen Menschen um den halben Erdball. Auf Reisen fällt einem hier und da solch ein Juwel einfach ganz unerwartet in die Hände. Wunderbar!
Wir übernachten (unerlaubterweise) oben im Park, um am nächsten Morgen eine kleine Wanderung zu machen. Das spart uns eine Stunde Fahrt. Wir wandern durch einen Wald mit endemischen Pflanzen (die es nur in Tasmanien gibt) hinauf zu einem Aussichtspunkt auf zwei Seen. Hier ist aber definitiv der Weg durch diesen urzeitlich anmutenden Wald das Ziel. Auch der Blick auf das „Skigebiet“ ist interessant und ich würde wirklich gerne mal jemand in diesem Gelände Skifahren sehen.






Es ist Regen angesagt und so fahren wir weiter nach Hobart, um etwas zu verschnaufen und auch um endlich wieder Berichte zu schreiben.


wow, spektakulär!
Und so weit weg 😉
Gute Zeit weiterhin
Liebe Monika, lieber Georg
Wie immer : sehr lesenswert und tolle Bilder
Weiterhin viel Spaß & spannende Aktionen