13. Weiter durch‘s wilde Alaska

Von Homer geht es „ein Haus weiter“ nach Seward, ebenfalls an einem Fjord auf der Kenai Halbinsel, allerdings weiter östlich gelegen.

Der Ort lebt, wie Homer, vom Fischfang und es gibt diverse Chartergesellschaften, die die angereisten Angler für ca. 300 USD/Tag mit Booten zum Halibut-Fischen rausfahren. Abends werden dann vor den einzelnen Charterbüros die jeweils gefangenen Fische für die Angler zum Fotografieren aufgehängt und danach sofort zerlegt. Heilbutts von über einem Meter Länge sind hier keine Seltenheit.

stolze Angler fotografieren ihre Beute
stolze Angler fotografieren ihre Beute

Für Nicht-Angler wie uns bleiben die Bootsfahrten zum Sightseeing. Wir buchen für den nächsten Tag die Kenai Fjord National Park Tour (160 USD/Person), die auf Wal-Beobachtung und Gletscherblicke ausgerichtet ist. Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass etwa 100 Leute an Board des ganz schön großen Schiffes sind. Das Wetter ist ganz OK und die See erfreulich ruhig. Der sehr erfahrene Kapitän gestaltet die Fahrt durch seine launige Moderation und interessante Hintergrundinformationen sehr kurzweilig. Wir fahren durch den ziemlich zerklüfteten Fjord, eine landschaftlich reizvolle Kulisse mit Inseln, Bergen und Gletschern, hinaus Richtung Golf von Alaska. Der Umkehrpunkt der 6-stündigen Fahrt befindet sich am Holgate Glacier, einem Gletscher der ins Meer kalbt und an den wir sehr nahe heranfahren. Der Kapitän: „… und wenn der Gletscher nicht kalben will, dann müssen wir eben drastischere Maßnahmen ergreifen und ihn mit dem Schiff rammen…“.

Holgate Glacier
Holgate Glacier
ganz nah am Gletscher
ganz nah am Gletscher

Unterwegs sehen wir Papageientaucher, zwei Gruppen von Orcas, Seelöwen auf den Felsen einiger Inseln und dann auch noch eine größere Gruppe von Buckelwalen, die sich hier vor Ihrer Weiterreise nach Hawaii nochmal richtig vollfressen und denen wir beim Jagen zusehen können. Die Wale werden begleitet durch Hunderte von Möven, die auffliegen, sobald die Wale abtauchen und dann, meist richtig, an den Stellen im Wasser landen, wo die Wale wieder auftauchen werden. Allein dieses Schauspiel ist die Fahrt wert.

faule Gesellen
faule Gesellen
Orca
Orca
Klassiker: Buckelwal taucht ab
Klassiker: Buckelwal taucht ab

Von Seward fahren wir bei schönem Wetter weiter Richtung Valdez. Unterwegs gibt es wieder das eine oder andere nette Motiv.

Unterwegs auf der Kenai
Unterwegs auf der Kenai

Da das Wetter einigermaßen gut ist, beschliessen wir unterwegs spontan, einen kleinen Umweg zur alte Kupferbergbau-Siedlung Kennicott (oder auch Kennecott) am Kennicott River zu machen. Die Strasse dorthin ist eine 150km lange Stichstrasse (McCarthy Road) in die vulkanisch entstandenen Wrangell Mountains, einem von vier Gebirgszügen im Wrangell – St Elias NP and Preserve. Dieses größte Naturschutzgebiet der USA (so groß wie der Yellowstone NP, der Yosemite NP und die Schweiz zusammengenommen), das auf kanadischer Seite durch den Kluane NP im Yukon Territory ergänzt wird, ist praktisch völlig unerschlossen. Hier stehen 9 der 16 höchsten Berge Nordamerikas und es gibt viele teils sehr große Gletscher.

In der Gegend von Kennicott wurde von 1911 bis 1938 in 5 Minen Kupfererz gefördert und per Eisenbahnlinie abtransportiert. Die heutige Strasse nach Kennicott entstand, indem ein Teil der alten Bahntrasse zur Strasse umfunktioniert wurde. Hierbei wird auch ein tiefes Flußtal auf der schmalen, ehemaligen Eisenbahnbrücke überquert. Etwa 90 km der Strasse sind nicht asphaltiert. Es sollen sogar immer noch Reifenschäden wegen alter Eisenbahnnägel vorkommen.

Kennicott, damals fernab jeder Zivilisation in der Wildnis gelegen, war das Versorgungszentrum für die umliegenden Kupfererzminen. Hier haben einmal mehr als 600 Leute gelebt und gearbeitet und es gab eine komplette Infrastruktur mit Wohnungen, Läden, Schule, etc. Die Kupferminen selbst lagen teils abenteuerlich hoch in den Felsen. Da Alkohol und Glücksspiel in Kennicott verboten waren, war das Vergnügungsviertel ins etwa 8 km entfernten McCarthy „ausgelagert“. Heute leben in beiden Orten gerade mal 47 Leute das ganze Jahr über. In der kurzen Saison kommen natürlich noch entsprechende Arbeitskräfte dazu.

Wir campen auf dem Campground am Fluss vor der Fußgängerbrücke, ab der man dann nur mit einem örtlichen Shuttle zu den Orten McCarthy und Kennicott gelangen kann (sehr geschäftstüchtig).

So lassen wir uns nach unserer Ankunft mit dem Shuttle gleich noch nach McCarthy und zur 8 km entfernten „Geisterstadt“ Kennicott fahren und sehen uns dort ein wenig um. Die Gebäude der Kennicott Mill, 14 Stockwerke den steilen Hang hoch gebaut, sehen ziemlich imposant aus, aber auch ziemlich marode. Seit über 15 Jahren werden hier Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt, aber das alles kostet natürlich.

Kennicott Mill
Kennicott Mill

Am nächsten Tag ist das Wetter schön und wir wandern von Kennicott zum Root Glacier, einem Seitenarm des Kennicott Gletschers. Am Gletscher angekommen sehen wir, dass der Zugang einfach ist und laufen ein großes Stück die Gletscherzunge hinauf, von wo aus wir einen herrlichen Blick auf den bis zu 4 km breiten und 35 km langen Kennicott Gletscher haben. Auf dem Rückweg berauben wir vermutlich einer entgegenkommenden Gruppe von Wanderern, die mit Steigeisen und Führer unterwegs sind, der Illusion, hier ein gefährliches Abenteuer zu erleben.

auf dem Root Glacier
auf dem Root Glacier

Über den Thompson Pass mit seinen schönen Wasserfällen erreichen wir auf unserem weiteren Weg schließlich Valdez, wichtigster eisfreier Hafen Alaskas, Anglerparadies, Endpunkt der Trans-Alaska-Öl-Pipeline und, was den Ort selbst anbelangt, eher uninteressant. Valdez wurde nach einem Tsunami 1964 komplett zerstört, danach an andrer Stelle wieder aufgebaut und wurde durch das Tankerunglück der Exxon Valdez im Jahre 1989 auf traurige Art weltberühmt. Für die mehrjährigen Aufräumarbeiten wurden damals zeitweise über Hunderttausend Hilfskräfte eingesetzt. Kurioserweise gab es dadurch in der Gegend einen unerwarteten Wirtschaftsaufschwung. Die Folgen des Unglücks scheinen heute gottseidank überwunden.

Die Lachse kommen hier den Fjord herauf und ziehen u.a. auch in eine Zuchtstation ein, wo ein Teil der Lachse geboren und wieder ausgesetzt wird, seit der ursprüngliche Fluß durch die Nutzung für ein Kraftwerk blockiert wurde. An der Fischtreppe zur Station stehen dann Angler und Bären Seite an Seite, während hundert Adler und noch mehr Möven über der Szene kreisen. Angeblich. 😉

Leider sind wir für dieses Schauspiel wohl mindestens 2 Wochen zu früh.

Am dritten Tag in Valdez wird das Wetter endlich schön und wir sehen vor unserer Abreise wenigstens noch die herrliche Bergkulisse, die den Ort umgibt.

Wasserfall am Thompson Pass
Wasserfall am Thompson Pass
Valdez
Valdez
Teil der Bergkulisse von Valdez
Teil der Bergkulisse von Valdez

4 Antworten auf „13. Weiter durch‘s wilde Alaska“

  1. Hallo ihr beiden,
    Die Bilder sind ja wieder der Hammer, besonders die Seeadler, aber auch die Bierprobe mit Terry. …
    Ich wart schon immer auf den nächsten Bericht von euch.
    Viele Grüße aus dem Ausserfern.
    Chips

  2. Neue Spezies camLine elit!

    Am Freitag morgen kurz nach Sonnenaufgang wurden bei strömenden Regen im Freisinger „Weltwald“ eine neue Spezies gesichtet: ca. 40 „camLiner“, getarnt mit bunten Regenabwehr-Layer, stapften durch den Weltwald und machten sich mit einer völlig neuen Outdoor-Umgebung und nassen Moosboden vertraut. Später wurde dann der Blutzuckerspiegel in der Eisdiele wieder hochgefahren und abends gab es zwischen zwei Fussballspielen wieder kuliniarische Schmankerl vom Kleber.
    Und dann kam noch die Polizei vorbei 🙂

    Viele Grüße aus der „Firma“

    1. Hallo Sabine,
      vielen Dank für deine Nachricht und Grüße zurück an die Spezies der camLiner.
      Auch wir sitzen hier gerade wieder mal im Regen, diesmal in Haines, aber wir müssen wenigstens nicht durch den Wald stapfen.
      😉
      P.S.: zum Thema Fußball: ich schätze, diesmal wird niemand den Verlauf des Turniers richtig vorhergesagt haben. 🙁

  3. Griaß enk nach Alaska!

    …wir freuen uns immer, wenn wieder ein neuer Beitrag von euch online geht: Laufend kommt uns ein Schmunzler über die Lippen dank Georg’s Schreibweise! Die Fotos von Monika (und selbstverständlich auch die von und mit Georg aus dem Flieger 😉 sind der pure Wahnsinn!!!

    Ich freue mich für euch, dass ihr so außergewöhnliche Erlebnisse habt und hoffe, ihr könnt die unendliche Vielzahl an Eindrücken halbwegs verarbeiten – ist ja wie ein Dauer-Flash! 😀

    Fühlt euch gedrückt – herzliche Grüße aus Tirol
    Sandra

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