20. Weiter über Nevada nach Utah

Durch Tina und Felix, die wir am Mono Lake getroffen haben, haben wir von noch einem Toyota-Flüsterer, Valley Hybrids, in Stockton erfahren. Um es kurz zu machen, nach einigem hin und her stellt sich raus, dass er die Plättchen zum Einstellen der Ventile da hat und wir fahren nochmal zurück nach Stockton in Kalifornien und lassen dort die Einstellung durchführen. Kleiner Wermutstropfen ist, dass die Ursache für das Ruckeln aber nicht gefunden wird und so müssen wir erst mal damit leben.

Nach Abwägung unserer Optionen beschließen wir, nach Salt Lake City zu fahren (1.200 km) und von dort Richtung Süden zu mäandern. Den Yellowstone NP werden wir schweren Herzens aus jahreszeitlichen Gründen weglassen.

Nach 2 Tagen Fahrt überqueren wir die Grenze nach Utah. Durch ganz Nevada findet man immer wieder Spielcasinos bis unmittelbar an der Grenze zu Utah. Wir sehen viele Busse mit Glücksrittern die aus Utah hinüber zu den Casinos jenseits der Grenze pilgern, um ihrer Sucht zu frönen.

Gleich nach der Grenze erreichen wir den großen Salzsee. Wir fahren gleich mal zum Speedstrip, dem Bonneville Salt Flat International Speedway (25m breit und 16 km lang), wo seit 1896 über viele Jahre Meilensteine der Geschwindigkeit von Bodenfahrzeugen aufgestellt wurden. So fuhr Gary Gabelich 1970 hier mit seiner Blue Flame als erster Mensch mit einem Landfahrzeug schneller als 1.000 km/h.

Draußen auf dem Salz ist es unwirklich, soweit das Auge reicht, ist die ganze Umgebung eine gleißend weiße Fläche und das Gehirn kommt damit irgendwie nicht so gut klar. Wir machen ein paar der typischen, coolen Fotos…

Schautafel am Speed Strip
Schautafel am Speed Strip
Unwirkliche Umgebung auf dem Salzsee
Unwirkliche Umgebung auf dem Salzsee
Monika rettet den Toyota vor dem Absturz   ;-)
Monika rettet den Toyota vor dem Absturz 😉

…und erreichen erst bei Einbruch der Nacht schließlich Salt Lake City („SLC“). Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Antilope Island (Danke für den Tipp, Franzl), einer hügeligen „Grasinsel“ im großen Salzsee, bekannt für viele Vögel und Bisons. Wir bekommen einen Platz auf einem der Campgrounds, können uns so in Ruhe die Insel ansehen und machen ein paar kleine Wanderungen. Monika lässt es sich nicht nehmen, mal in das supersalzige Wasser reinzuwaten. Bäh! Es gibt tatsächlich viele Bisons, die in kleineren und größeren Herden übers Land ziehen und auf dem Wasser Tausende und Abertausende von Vögeln, die sich von den roten Krebschen im Wasser ernähren. Als wir am Abend draußen sitzen und fotografieren, fallen allerdings mal wieder Moskitos über uns her. Das hatten wir lange nicht. Trotzdem ein auf eine sehr eigenwillige Art reizvoller Platz.

Antilope Island
Antilope Island
Die Herren der Insel
Die Herren der Insel

Am nächsten Tag geht es zurück nach SLC, wo wir uns den Tempelbezirk der Mormonen ansehen, die in Utah wohl das Sagen haben und die wirtschaftlich sehr erfolgreich sind. Die Grundzüge ihrer Religion basieren auf dem christlichen Glauben, Alkohol und Rauchen, generell Drogen, sind verpönt. Dass die Mormonen im Gegenzug (?) mehrere Frauen haben dürfen, trägt ihnen sicher dennoch vom einen oder anderen Zeitgenossen auch einen gewissen Neid ein.

Ich persönlich denke, schon mit einer Frau hat man es schwer genug. 😉

Tempel der Mormonen in SLC
Tempel der Mormonen in SLC

Am Abend ist die Reiseplanung für den nächsten Abschnitt fertig: weiter geht es Richtung Arches und Moab, wobei wir zunächst einen Abstecher nach Colorado zum Colorado National Monument machen wollen.

Wir lassen es ruhig angehen und fahren so gegen Mittag los. Bis Grand Junction in Colorado sind es etwa 450 km. Das schaffen wir nicht ganz und übernachten auf dem Crystal Geysir Platz aus dem iOverlander am Green River. Man fährt 10 km auf einer Schotterstrasse weg vom Highway und endet quasi in der Wüste an einem beachtlichen Fluß, dem Green River. Der Geysir, der nur eher selten mal eine Fontäne erzeugt, hat wunderschöne farbige Sinterterrassen geschaffen und wir können direkt daneben stehen bleiben. Ein Superplatz.

Crystal Geysir am Green River
Crystal Geysir am Green River
Sundowner am Übernachtungsplatz
Sundowner am Übernachtungsplatz

Durch das Colorado National Monument (Colorado NM) fließt wer? Genau, der Colorado, der neben der Formung der spektakulären Schlucht hier, im späteren Verlauf dann an diversen tollen Landschaften in Utah bis hin zum Grand Canyon seine Wasser im Spiel hat. Wir fahren bei leider bewölktem Wetter zunächst eine kühn gewundene Straße hinauf zum Rand der Schlucht aus rotem Sandstein und etwa 30km direkt an deren Kante entlang. Auf dem Weg bieten ständig Aussichtspunkte landschaftliche Schmankerl mit erodierten und ausgewaschenen Wänden und Türmen in allen erdenklichen Rottönen (zumindest bei Sonne).

Colorado National Monument
Colorado National Monument
Colorado National Monument
Colorado National Monument

Am Abend kommt dann zaghaft noch der eine oder andere Sonnenstrahl heraus und lässt uns ahnen, wie es bei schönem Wetter sein könnte. Wir bleiben auf dem Campground oben an der Schluchtkante und sehen abends auf das Städtchen Fruitta und seine Lichter hinunter. Schön!

Der Wetterbericht kündigt Regen an (am nächsten Wochenende soll es sogar schneien) und so fahren wir am nächsten Tag erst mal nach Grand Junction und nutzen den Tag für Bericht, Bildbearbeitung und Kommunikation. Der Walmartparkplatz bietet uns hierbei wieder mal einen Schlafplatz. In der Nacht regnet es immer wieder mal leicht.

Morgens ist der Himmel zerrissen, aber es ist überwiegend sonnig. Also weiter Richtung Arches NP, um den Tag zu nutzen. Wir planen, auf der Strecke auch einen Offroad-Track zum Onion Creek zu fahren.

Wir müssen ca. 70 km zurück über die Grenze nach Utah und biegen dann nach Süden ab auf den Scenic HW 128 nach Moab. Schon bald fahren wir, bei inzwischen herrlichem Wetter, unten am Colorado entlang durch die von ihm gegrabene Schlucht. Rote, senkrechte Wände säumen den Weg. Als es noch 5 km bis zum Einstieg des Onion Creek Offroad-Tacks sind, passieren wir die Fischer Towers. Die sehen von weitem ganz nett aus und so fahren wir die Stichstraße zu einem Parkplatz an deren Fuß, um sie uns näher anzusehen. Wir wandern zum Fuß der skurrilen Türme und sind hin und weg. Dieses Tal und speziell die unwirklich geformten Blöcke, Wände und Türme hier sind einfach (Entschuldigung!) saustark!

Unter den Fisher Towers
Unter den Fisher Towers
Blick von den Fisher Towers zum Colorado
Blick von den Fisher Towers zum Colorado
Campground bei den Fisher Towers
Campground bei den Fisher Towers

Wir machen viel zu viele Fotos und beschließen spontan, auf dem kleinen Campground hier (5 Plätze) die Nacht zu verbringen. Wir sitzen mit einem Sundowner-Bier vor dem Auto, sehen die Fischer Towers im Sonnenuntergang rot werden, schauen wie Graf Gox auf das Colorado Flußtal hinunter, sehen einen phantastischen Sternenhimmel heraufziehen und sind uns einig, dass dieser Abend in die Top Drei unserer bisherigen Reise gehört. Wir sitzen noch lange draußen, sehen Sternschnuppen und die ISS vorbeiziehen, beglückwünschen uns zu der Entscheidung dieses kleine Highlight hier besucht zu haben und sind einfach glücklich.

In der Nacht beginnt um uns herum ein beeindruckendes Wetterleuchten und gegen Morgen donnert es immer lauter und als wir mal einen kurzen Blick rauswerfen, reißt die dichte Wolkendecke auf und die Schluchtwände des Colorado werden von der Sonne beleuchtet, während schweres Gewölk am Himmel dräut und es rundum donnert. Jetzt heißt es schnell raus und ein paar spektakuläre Fotos geschossen bevor sich das Fenster wieder schließt und die Gewitter sich über uns entladen und der Regen auf unser Dach prasselt. Unglaublich!

Logenplatz für die morgentliche Gewitterstimmung
Logenplatz für die morgentliche Gewitterstimmung
Morgentliche Gewitterstimmung mit Regenbogen
Morgentliche Gewitterstimmung mit Regenbogen

Am Vormittag reißen die Wolken langsam wieder auf und wir schöpfen Zuversicht, den Onion-Creek-Track doch noch fahren zu können. Im Buch steht zwar, dass man den Weg nach schweren Regenfällen nicht probieren sollte, aber es hat ja nicht lange stark geregnet. So tasten wir uns in die Dirtroad vor um zu sehen, wie es geht. Auf dem Weg muss der Onion Creek viele Male durchquert werden, was nach Regenfällen natürlich ein Problem werden kann. Zunächst folgt uns noch ein Reisender auf einer schwer bepackten Suzuki Gelände-Maschine, aber der dreht nach einigen Durchfahrungen um,

obwohl diese eher harmlos sind. So fahren wir allein etwa 17km in die absolut phantastische Schlucht, in der sich Wasserdurchquerungen, steile Auf- und Abfahrten und spektakuläre Landschaft abwechseln. Geht es zunächst durch einen engen roten Canyon, kommen wir im weiteren Verlauf auch an Hügelrücken vorbei, die in Weiß- und Grün- bis Blau-Tönen herausleuchten. Das Ganze unterlegt vom saftigen Grün auf dem Grund der Schlucht, die später in ein ansprechendes Hochtal übergeht. Irgendwann unterwegs kommen wir auch an der stinkenden Quelle vorbei, der der Onion Creek seinen Namen verdankt. Oben im Hochtal wurde früher Uranerz abgebaut. Die Abraumhalden der Minen weisen immer noch eine erhöhte Radioaktivität auf. Obwohl man auf dieser Strecke noch deutlich weiter fahren kann und dabei dann noch 1.000m höher hinauf muss, drehen wir im Hochtal um und fahren zurück. Das Wetter ist nicht stabil und die Chance, sich in dem Gebiet zu verzetteln ist groß (unser kleines Scharmützel hinter den Painted Hills wirkt noch nach). Die fahrtechnisch nette und landschaftlich wunderschöne Fahrt entspricht genau unserem Geschmack und hat sich deswegen wirklich gelohnt. Für gediente Mountainbiker: im Moser-Führer würde stehen: Supertour! 😉

Wie geht es weiter?
Wie geht es weiter?
Onion Creek Road
Onion Creek Road
Unglaubliche Farbspiele entlang des Onion Creek
Unglaubliche Farbspiele entlang des Onion Creek

Am Eingang zur Onion Creek Road übernachten wir wieder auf einem kleinen Campground. Die Nacht ist klar, der Sternenhimmel ist wunderschön, aber in der Nacht regnet es irgendwann wieder leicht. Am Morgen sieht es wettermäßig nicht so schlecht aus wie erwartet und so geht es weiter den Colorado entlang auf dem HW 128 zum Arches NP. Am Eingang des Parks haben sich bereits Autoschlangen gebildet, wir sind also spät dran. Wir „rasen“ durch den ganzen Park zum Campground am Ende, kriegen aber wie befürchtet keinen Platz. Kein Wunder, es ist Freitag und der Andrang ist groß! Also parken wir einfach und laufen die „große Schleife“ am Ende der Straße. Wir sehen die mehr oder weniger bekannten Felsbögen, mich aber faszinieren die Felsformationen durch die wir auf dem nicht ganz einfachen Weg laufen generell. Wie dicht an dicht aufgestellte, verrückt geformte, rundgelutschte Brotscheiben aus Sandstein. Da macht das Laufen und Kraxeln Spaß und wir bleiben immer wieder stehen und staunen.

Double Arch
Double Arch
Wie verrückt ist das denn?
Wie verrückt ist das denn?

Danach arbeiten wir uns durch den Park zurück bis zum Parkplatz für den Weg zum berühmten Delicate Arch. Der Weg über die glatten Platten und ganz oben über das ausgesetzte Felsband sind selbst schon ein Highlight. Aber dann kommt man ums Eck und das steht er. Obwohl schon auf Bildern gesehen ist der Anblick doch ein großes „WOW“!

Wir lassen uns zusammen mit sicher über hundert anderen Besuchern im Amphitheater vor dem Bogen nieder und sehen dem Reigen der Leute zu, die alle für ein Bild unter dem Tor stehen möchten. Gegen Abend werden die Farben dann weicher und das Tor zeigt sich im perfekten Licht. Ganz großes Kino!

Delicate Arch im Abendlicht
Delicate Arch im Abendlicht

Aber es droht ein Abstieg bei Nacht und so machen wir uns wieder auf den Weg, fahren nach Moab, wo wir am Ortsrand noch einen Platz auf einem Campground ergattern. Wieder ein toller Tag!

Am Morgen ist es bewölkt und der Wetterbericht für die nächsten Tage ist frustrierend. Um so schöner, dass wir es gestern nochmal so schön getroffen haben.

4 Antworten auf „20. Weiter über Nevada nach Utah“

  1. Hallo liebe Monika und lieber Georg
    Ich komme kaum dazu Euch zu schreiben, weil Josef permanent “ am Drücker“ sitzt und schon antwortet bevor Eure phantastischen Bilder und Kommentare gänzlich geladen sind.
    Ich hingegen “ celebriere“ Euren Blog, entweder mit einer gemütlichen Tasse Café , oder einem genussvollen Gläschen Wein. Dann träume ich mich in die Weiten Utahs, und wenn ich die Augen öffne, dann “ lebt ihr diesen Traum“.
    Heute beim Frühstück hatten wir ausführlich das Thema : Logistik bei so einem Trip. Wie plant ihr,?woher wisst ihr die guten Spots, hat sich schon eine Einkaufsroutine etabliert. Monika? Hat man zwischendrin mal Lust auf einfach nur sinnloses Shopping?
    Ihr seht auf allen Bildern so adrett aus, Monika,wie funktioniert das mit dem Haarefärben, und habt Ihr Zeit für Sport ( Gymnastik-Yoga).?
    All diese Fragen benötigen KEINE Beantwortung, es soll Euch nur einen kleinen Eindruck vermitteln wie sehr wir an Eurem Erlebnis teilhaben und ebenfalls in die Zukunft phantasieren.
    Aktuell bin ich in der Vorbereitung meiner Praxisabschiedsfeier ………. und für 2019 wird dann ein WIR ( aus ich und du).
    Ich vermisse ehrlich gesagt unsere gelegentlichen Sonntags Café Sessions, aber ich freue mich für Euch und wünsche Euch weiterhin gute Fahrt und nicht enden wollendes Staunen.
    Herzliche Grüße Doris
    P.s. Hoffentlich Coffee in Fl.?????😀

  2. Endlich wieder ein Update! ….das hat ja schon a weng gedauert 😉
    Es ist lustig, wenn die gesamte Admin gleichzeitig Euren Bericht liest und von allen Seiten Ohhs und Ahhs kommen….Also: Wir haben auch ganz schnell gelesen (-> Info für den Chef)
    Wie gerne wären wir auch dabei!
    Viele Grüße
    Die Admin

    1. Liebe „Admin“, danke für den netten Kommentar.
      Ja, wir sind etwas in Verzug aber wir müssen das Wetter nutzen, solange es geht.
      Allerdings verspreche ich euch: es geht toll weiter… 🙂
      LG

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