37. Panama

Bei der Anfahrt zur Grenze nach Panama fahren wir durch riesige Bananenplantagen, die von den Siedlungen der Arbeiter unterbrochen werden. Immer wieder sehen wir das Chiquita Emblem.

An den Plantagen entlang gibt es Transportsysteme, ähnlich einer Sesselbahn, an der statt Gondeln Bananenstauden hängen. Die Arbeiter ziehen hier jeweils eine ganzen Reihe der Stauden (einen Bananenzug) manuell bis zu einem Verladeplatz, wo die Stauden auf LKWs verladen werden. Wir sehen einige Sprühflugzeuge.

Chiquita Land
Chiquita Land
Bananen-Lift
Bananen-Lift
Verladestation
Verladestation

Der winzige Grenzort Sixaola ist trostlos, es wird gebaut (wie scheinbar an jeder Grenze) und es gibt nur eine einspurige Brücke über die Grenze, die in beide Richtungen benutzt wird. Das ist kein Problem, denn es gibt kaum irgendwelchen Grenzverkehr. Nach etwa 3 Stunden (inclusive Wartens auf die Agentin für die Autoversicherung, die gerade beim Mittagessen ist), haben wir es wieder geschafft und sind in Panama. Wir atmen auf, vielleicht etwas zu früh…

Grenzübergang nach Panama
Grenzübergang nach Panama

Wir wollen sofort noch los, aber unsere Vorhaben ended schon 300m nach dem Ortsende, denn hier gibt es eine Straßenblockade. Soweit wir verstehen protestieren die Bus- und/oder Taxifahrer gegen den angeblich von der Regierung geplanten Verkauf weiterer Lizenzen. Die Fahrervereinigung hat dazu aufgerufen, drei Tage lang im ganzen Land wichtige Verbindungen zu blockieren. Ein Ergebnis ist die hier errichtetet Sperre aus quer über die Strasse stehenden Bussen.
Drei Tage wäre ziemlich blöd, denn es gibt keine Umfahrung und wir haben ja einen Verschiffungstermin. Also fahren wir erst mal zurück zum Ort und suchen einen Platz zum Parken. Wir stellen uns auf einen Platz vor einer Art Turnhalle und schon kommt ein älterer Mann und schleicht um unser Auto. Monika geht hinaus um unschuldig zu fragen,ob wir hier parken können. Nachdem ich eine Zeit lang nichts höre, gehe ich ebenfalls hinaus und sehe Monika mit dem Herrn und einer Frau zusammen stehen, wobei die beiden abwechselnd Monika anschreien. Nachdem ich zu der Diskussionsgruppe gestoßen bin stellt sich heraus, dass der Herr hier sowas wie das Gesetz ist und er von uns 10 USD, eine lokale Gebühr, eintreiben will. Monika verlangt daraufhin zu sehen, wo diese Gebühr schriftlich definiert ist. Daraufhin entspannt sich eine Debatte, die von dem Herrn und seiner Handlangerin ziemlich hitzig geführt wird. Als wir später in Erwartung eines möglicherweise längeren Aufenthaltes nochmal hingehen, um die Gebühr zu bezahlen, ist nur noch die Handlangerin da, die uns die Quittung aushändigt. Der Herr ist weg, hatte vermutlich einen Herzinfarkt.
Dann plötzlich erfahre ich, dass die Blockade entfernt wurde. Wir sind erleichtert, denn hier wollen wir nicht übernachten! Leider springt der Toyota wieder nicht an, die Batterie ist zu schwach. Ich bekniee die Polizei, mir Fremdstarthilfe zu geben, aber es dauert ziemlich lange, bis sie die Genehmigung hierfür bekommen! Sofort machen wir, das wir hier wegkommen. An der Blockadestelle deutet nichts mehr auf das Bollwerk hin. Schon merkwürdig…

Wir verwerfen den geplanten Zielort im Hafen von Almirante, von wo die Fähre zu den Bocas del Toro abfährt, einer bekannten karibischen Insel, die viele Touristen and Backpacker anzieht. Stattdessen peilen wir eine Werkstatt im nächsten Ort, Changuinola, an. Weil die Werkstatt schon zu hat, übernachten wir vor der Werkstatt von Chavez am Ende einer Sackgasse.
Dieser 25. Juni war eher einer der schwärzeren Tage.
Am nächsten Morgen, als Chavez auftaucht, springt der Toyota tatsächlich wieder nicht an. Chavez, der sehr nett ist, checked einige Parameter und tippt auf die Batterie. Ich fahre also zum Casa de Batterias und lasse die Batterie prüfen, aber die Batterie ist i.O. Schöner Mist!
Also fahren wir weiter nach Boquete, das auf 1000m in den Bergen liegt und ein angenehmes Klima hat. Hier haben sich viele Ausländer einen Altersruhesitz gekauft.
Auf dem Weg durch die Berge kommen wir an vielen kleinen Siedlungen der indigenen Bevölkerung vorbei. Die Hütten haben teilweise keine oder nur unvollständige Wände, manche bestehen nur aus einem Holzgerüst mit Dach, die Vertrebungsbalken hängen voller Kleidung, was für unsere Augen befremdlich und schlampig aussieht. Aber die Leute sind sehr arm, in diesen Siedlungen gibt es praktisch keine Autos.

Fahrt durch die Berge...
Fahrt durch die Berge…
... vorbei an Siedlungen der indigenen Bevölkerung...
… vorbei an Siedlungen der indigenen Bevölkerung…
... die weitgehend vom Wohlstand im Land abgekoppelt ist.
… die weitgehend vom Wohlstand im Land abgekoppelt ist.

Wir bleiben 2 Nächte bei sehr angenehmen Temperaturen in Boquete. Die Batterie funktioniert wieder, aber wir haben Bammel, ob sie auch funktioniert, wenn das Auto im Hafen vor der Verschiffung ein paar Tage gestanden hat.

Auf dem Weg nach Boquete quer durch die Berge
Auf dem Weg nach Boquete quer durch die Berge
Luftkurort
Luftkurort

Jetzt wollen wir nochmals kurz ans Meer, bevor wir nach Panama City fahren, um unsere Überfahrt abzuwickeln. Wir enden schließlich am Restaurant „Delicias del Mar“, bei Santa Clara etwa 100km vor Panama City am Atlantik gelegen. Dort sitzen wir am Strand, gehen baden, sehen den Pelikanen zu, essen im Restaurant und übernachten gleich auf dem Parkplatz.

Kleine Bausünde am herrlichen Strand
Kleine Bausünde am herrlichen Strand
Schlafplatz mit Aussicht
Schlafplatz mit Aussicht

Am Samstag, den 29. Juni erreichen wir Panama City, wo wir zunächst mit den Miraflores Locks die „alten“ Schleussen am Panama Kanal anlaufen, wobei wir leider keine Schiffe in den Schleussen sehen. Der Panama Kanal, mit einer Länge von etwa 80km, wurde im August 1914 eröffnet und gilt als eines der architektonischen Weltwunder der Moderne. Die Erweiterung des Kanals für größere Schiffe ging im Juni 2016 in Betrieb. Bei der Fahrt durch den Kanal müssen die Schiffe 26m angehoben und später wieder abgesenkt werden. Durch den Kanal fahren jährlich etwa 14.000 Schiffe mit einer Fracht von 300 … 400 Mio. Tonnen, was 6% des Welthandels entspricht.

Nach dem Kanalbesuch checken wir im Hostal Amador Familiar ein, einem hübschen Hostal, dessen Lage für unsere Verschiffungsaktivitäten in Panama City ideal ist. Am nächsten Morgen habe ich zum ersten Mal Schmerzen in einem Bein, die sich im Laufe der nächsten Tage stetig verschlimmern. Auch das noch…

Blick auf unser Eckzimmer im Hostal
Blick auf unser Eckzimmer im Hostal
Patient wider Willen
Patient wider Willen

Jetzt beginnt das von allen Reisenden gefürchtete Prozedere der Veschiffung.
Am Montag morgens um 6 Uhr versuchen wir den ersten Schritt, einen skurrilen Inspektionstermin bei der Polizei (auf einem unbeschrifteten Parkplatz in einem echten Scherbenviertel) wahrzunehmen, werden aber wieder heimgeschickt, weil heute, am 1. Juli, der Präsident des Landes wechselt (was wir nicht wußten) und deshalb die Staatsbediensteten frei haben. Wir machen ein wenig Sightseeing in der Altstadt, aber dort hat tatsächlich fast alles geschlossen, die Stadt ist wie ausgestorben. Allerdings sind die Souvenirverkäufer vor Ort und Monika wird wieder einmal fündig.

Hübsche Altstadt...
Hübsche Altstadt…
...und malerische Plätze in Panama City
…und malerische Plätze in Panama City
Handwerklich interessante Souvenirs
Handwerklich interessante Souvenirs

Am Dienstag schaffen wir dann Gottseidank die ominöse Inspektion, denn Mittwoch ist schon der letzte Termin für die Abgabe des Fahrzeugs im Hafen von Colon. Wir kommen sicherheitshalber schon um 5:45 morgens, denn pro Tag werden max. 25 Fahrzeuge inspiziert.

Was wie ein konspiratives Treffen auf einem Schrottplatz aussieht, ist die Inspektion der Polizei
Was wie ein konspiratives Treffen auf einem Schrottplatz aussieht, ist die Inspektion der Polizei
Vorbereitung ist alles. Viele Dokumente und noch mehr Kopien.
Vorbereitung ist alles. Viele Dokumente und noch mehr Kopien.

Mittwoch früh fahren wir die knapp 100 km nach Colon und arbeiten uns durch die dort notwendigen Schritte, bis wir am frühen Nachmittag unseren Toyota im Hafen abgeben können.

Frühmorgentliche Fahrt nach Colon
Frühmorgentliche Fahrt nach Colon
Hier lassen wir den Toyota zurück. Ein merkwürdiges Gefühl.
Hier lassen wir den Toyota zurück. Ein merkwürdiges Gefühl.

Für die Verschiffung wird er auf einem Flatrack, einem seitlich und oben offenen Container, verzurrt. Das Rack wird dann irgendwo als oberster Container eines Turmes auf dem Schiff gestapelt.
Auf dem Rückweg von Colon mit dem Taxi fahren wir in Colon an den neuen Schleusen (auf der Karibikseite) für die großen Schiffe vorbei und können zusehen, wie ein großes Containerschiff in fast Zentimeterarbeit durch eine der Schleusen manövriert wird. Echt cool!

Enge Sache...
Enge Sache…
Jeweils ein Schlepper vorne und hinten kontrollieren die Fuhre
Jeweils ein Schlepper vorne und hinten kontrollieren die Fuhre

Am Donnerstag bezahlen wir die gesalzenen Kosten für die Verschiffung und ziehen dann ins Hotel Coral Suites um, das mehr im Zentrum liegt. Hier werden wir bis zu unserem Flug am Sonntag bleiben. Bei einem kleinen Streifzug durch die Wolkenkratzer der Bankenmetropole kommt mir unwillkürlich der Satz „oben hui, unten pfui“ in den Sinn. Die Wolkenkratzer sind oft extravagante Ausprägungen architektonischer Phantasie, während Gehsteige und Elektroverkabelung entlang der Strassen teilweise eher an irgendwelche Armenviertel erinnern.

Kleiner Teil der Skyline
Kleiner Teil der Skyline
Inhomogenes Bild
Inhomogenes Bild
Blick von der Dachterrasse des Hotels
Blick von der Dachterrasse des Hotels

Der Flug am Sonntag, den 7. Juli dauert etwa 1 Stunde. Vor der Immigration in Cartagena stehen wir zwar 1,5 Stunden, bis wir unseren Stempel im Pass bekommen, aber es ist schon wirklich einfach, wenn man ohne Auto reist. Leider macht mir mein Bein inzwischen erhebliche Probleme beim Gehen.

Unser Flieger
Unser Flieger
Anflug auf Cartagena
Anflug auf Cartagena
Cartagena, Kolumbien!
Cartagena, Kolumbien!

In Cartagena haben wir das Hotel Casa Bugo in der Altstadt gebucht. Von dort aus erkunden wir am Sonntag die Umgebung. Dieser Teil von Cartagena ist sehr hübsch und wir fühlen uns sehr wohl.

Das Schiff mit unserem Toyota erreicht Cartagena Montag nachmittag um 15 Uhr und am gleichen Nachmittag starten wir das Prozedere für seine „Freilassung“. Bis wir das Auto am Donnerstag dann tatsächlich zurück bekommen, werden wir insgesamt etwa 15 Anlaufpunkte absolviert haben. Eine Tortur, vor allem wenn man es zum ersten Mal macht und der Sprache nicht mächtig ist. Allerdings muss auch gesagt werden, dass die Ansprechpartner beim Zoll und bei der Hafenbehörde in Cartagena sehr freundlich und hilfsbereit waren.
Leider werden wir hier in Cartagena wohl einen längeren Aufenthalt haben als geplant, denn ich muss mich endlich um mein Bein kümmern.

Aber: die Batterie hat gehalten und wie sind in Südamerika!

2 Antworten auf „37. Panama“

  1. Liebe Monika, Lieber Georg,
    wir sind total begeistert von eurem Blog. Bei den wunderschönen Fotos und den tollen Berichten bekommt man sofort wieder Lust auf Reisen und so vergeht keine Woche wo wir im Geiste immer bei euch sind. Noch alles Gute und schnelle Genesung für dein Bein.
    Macht’s Gut und viele liebe Grüße
    Roswitha und Peter

  2. Wow, der Bericht über Panama liest sich ja wie ein Krimi.
    Hab’s soeben atemlos gelesen.
    Toll das ihr gut in Kolumbien angekommen seit, trotz Batterie oder sonstigen technischen Problemen.
    Und dir Georg wünsch ich gute Besserung mit deinem Bein.
    In Kolumbien gibt’s wohl gute Doctores oder MedizinMänner.
    ( Hab ich in dem Buch “ Taguari“ gelesen. )
    Ich wünsch euch beiden für die weitere Reise alles Gute und. ..
    Hab’s einfach gut und genießt jeden Tag.
    Lg Chips.

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